| Erfinder des „Ur-Fahrrads“ feiert 225. Geburtstag |
| Geschrieben von: SportPresse |
| Donnerstag, 29. April 2010 um 13:44 Uhr |
Karl Drais wäre am 29. April dieses Jahres 225 Jahre alt geworden. Er hat eine der bahnbrechendsten Erfindungen im Bereich persönlicher Mobilität hervorgebracht. Seine nach ihm benannte "Draisine" gilt als Prototyp des heutigen Fahrrades. "Die Stadt Karlsruhe fühlt sich diesem Erbe der umweltfreundlichen Mobilität verpflichtet und gilt heute als eine der fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands. So sind z.B. in Karlsruhe mehrere Forschungsinstitute zum Thema E-Mobilität vertreten", betont Norbert Käthler, Geschäftsführer der Stadtmarketing Karlsruhe GmbH. Drais Geburtstag ist Grund genug, dem "Sohn Karlsruhes“ mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen zu gedenken."Als die Räder laufen lernten", so könnte die Geschichte des Fahrrades beginnen. Tatsächlich steht am Anfang die Erfindung der Laufmaschine, die der Karlsruher (damals Karl Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn, 1785-1851) erstmals 1817 der Öffentlichkeit vorstellte. Dieses einspurige Zweirad, auf dem man sich sitzend und mit den Füßen abstoßend fortbewegte, sollte durch die Weiterentwicklung seiner Erfindung schon bald das Verkehrswesen revolutionieren. Aktionen und Veranstaltungen Anlässlich des 225. Geburtstages von Karl Drais finden in Karlsruhe dieses Jahr zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen statt. Die Stadtmarketing Karlsruhe GmbH möchte die besondere Kompetenz der Stadt als Fahrradstadt herausstellen. Sie hat die Koordination der Akteure in der Stadt übernommen und den Flyer "225 Jahre Karl Drais. Eine Radlänge voraus!" herausgegeben. Insgesamt sind drei Wettbewerbe, 18 Veranstaltungen und fünf Aktivitäten mit zahlreichen Kooperationspartnern im Gedenkjahr geplant. • Zu Beginn steht die Veränderung der zwei großen XXL-Schilder an der Südtangente, Ausfahrt Stadtmitte. Von weitem grüßen die 40 qm großen Schilder nun für eine gewisse Zeit mit dem Slogan "225 Jahre Karl Drais. Karlsruhe. Eine Radlänge voraus." "Bis zum Sommer wird das Stadtschild mit diesen neuen Inhalten gefüllt sein und auf die besondere Kompetenz der Stadt hinweisen“, so Käthler. Ab dann wird es wieder heißen: "Karlsruhe – viel vor. viel dahinter." • Das Stadtmuseum präsentiert die Ausstellung "Karl Drais – Erfinder des Zweirads" ab dem 21. April, 17 Uhr (Vernissage, Laufzeit vom 22.4. bis 26. September 2010) im Untergeschoss und in der Rotunde des Ständehauses (der Erinnerungsstätte der badischen Parlamentsgeschichte, Ständehausstr. 2) und zeigt den Lebensweg von Karl Drais auf. Er führt vom Adelsspross zum Zweiraderfinder und Professor der Mechanik über seinen gesellschaftlichen Abstieg als verfolgter Demokrat während der Badischen Revolution von 1849 bis zu seiner posthumen Rehabilitation am Ende des 19. Jahrhunderts. • Die "Drais-Radtour" für Jedermann startet am Samstag, 24. April um 10.30 Uhr nach einer Kranzniederlegung am Drais-Denkmal in der Beiertheimer Allee und führt weiter durch den Hardtwald bis zum Monumenthaus. Diese Radtour findet jährlich zum Gedenken an den Zweirad-Erfinder zu seinem Geburtstag im April statt. • Zu Drais‘ Geburtstag am 29.4. wird eine Kooperationsanzeige mit dem Land Baden-Württemberg in der ZEIT, im Spiegel und in der BNN geschaltet unter dem Motto "Wir haben das Rad erfunden." "Das Land hat die Mobilitätskompetenz von Karlsruhe und Baden-Württemberg erkannt. Drais ist kein lokales Thema, und daher bewerben wir es auch überregional", freut sich Käthler über die Kooperation und das besondere Geburtstagsgeschenk an den Fahrraderfinder. • Am 4. Mai ist Karlsruhe dabei, wenn sich etwa 20 Kommunen und Landkreise aus Baden-Württemberg zur "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Baden-Württemberg" in Stuttgart zusammenfinden. Ziel dieses kommunalen Netzwerkes ist die Förderung eines effizienten Radverkehrs und Schaffung einer fahrradfreundlichen Mobilitätskultur. • Nach dem Vorbild des berühmten Pferderennens "Palio" in Siena treten die Karlsruher Stadtteile vom 18.06. – 20.06. auf High-Tech-Draisinen gegeneinander an, um ihren Champion zu ermitteln. Veranstaltungsort des Draisinenrennens ist der Rundkurs um den Platz an der Richard-Wagner-Straße. • Ein weiteres Highlight ist das Konzert mit 111 Fahrrädern im Rahmen von "Karlsruhe klingt – music to go". Wie sich Klingeln, Pfeifen und Hupen zu einer spektakulären musikalischen Performance mit „Bikesound“ verbinden lassen, zeigt die Hochschule für Musik am 10. Juli um 15.30 Uhr auf dem Karlsruher Marktplatz. • Die vierte bundesweite Fahrradkommunalkonferenz des Nationalen Radverkehrsplans findet im November in Karlsruhe statt. Damit spricht das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung den Karlsruher Anstrengungen in der Radverkehrsförderung seine Anerkennung aus. Über 200 kommunale Radverkehrsplaner treffen sich zum Erfahrungsaustausch. • Am 12.06.2010, also am 193. Jahrestag der ersten "Fahrradfahrt", wird in Mannheim diese Strecke als "Drais-Route" mit einem Event eingeweiht – wir Karlsruher sind dabei. Ein Überblick über das gesamte Programm befindet sich im Flyer, der auch im Internet abrufbar ist auf www.stadtmarketing-karlsruhe.de. Zudem finden sich wichtige Infos und Termine auf der Internetseite: www.karlsruhe.de/stadt/aktuell/termine/drais2010 Karl Drais Am 29. April 1785 wurde Karl Drais als Karl Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn in Karlsruhe geboren, wo er auch seine Schulausbildung genoss. Nach dem Studium und einer kurzen Tätigkeit als Forstwirt widmete er sich seiner Begabung für Erfindungen. Not macht bekanntlich erfinderisch – und so hatte eine von einer Naturkatastrophe (Vulkanausbruch) ausgelöste Hungersnot, die 1816/17 auch ein Pferdesterben verursachte, Drais zur Erfindung seiner Laufmaschine angeregt. Als Alternative für die damaligen Kutschen gedacht, baute er zunächst eine vierrädrige "Fahrmaschine ohne Pferde", die durch den "insitzenden Menschen, vermöge des einfachen und desto dauerhaften Maschinenwerks" (Badisches Magazin, Jan. 1814) angetrieben wurde. Anschließend erfand er das Zweirad, die nach ihm benannte „Draisine“. Laut einer Werbebroschüre des Erfinders konnte sie bergab „die besten Pferde auf langen Strecken – und doch mit größerer Sicherheit gegen Unglücksfälle“ übertreffen. Im Gegensatz zu heutigen Fahrrädern hatte die Draisine keine Pedale. Man setzte sich rittlings und stieß sich mit den Füssen vom Boden ab. Um die Nützlichkeit seiner „Laufmaschine“ zu demonstrieren, fuhr Drais am 12. Juni 1817 zum ersten Mal öffentlich die heute legendäre Strecke von seiner Wohnung beim Mannheimer Schloss bis zur Schwetzinger Relaisstation im heutigen Stadtteil Rheinau beim Karlsplatz und zurück. Im Jahr 1818 erteilte Großherzog Karl dem Freiherrn 1818 das Privileg, für zehn Jahre auch kommerziell seine Erfindung auswerten zu dürfen. Aber durch zahlreiche nicht lizensierte Nachbauten fand seine Laufmaschine rasche Verbreitung, so dass schon 1819 Leute auf zum Teil eisernen Zweirädern in England und Amerika fuhren. In Waldkatzenbach im Odenwald entwickelte Drais aus seiner vierrädrigen Fahrmaschine eine Eisenbahndraisine. Zu seinen weiteren Erfindungen zählen u.a. eine „Schnellschreibmaschine“ 1825 und eine „Kochmaschine“ 1834. 1845 zog Drais wieder in seine "Vaterstadt" Karlsruhe. Hier legte er in der Revolution von 1848/49 seinen Adelstitel ab und bekannte sich zu den demokratischen Forderungen. Nach der Niederschlagung der Revolution und der Wiederherstellung der Monarchie wurde Drais' Pension zur Abdeckung der Revolutionskosten beschlagnahmt. Die Laufmaschine des Karlsruher Erfinders eroberte rasch die Welt. Bereits zwei Monate nach der ersten Präsentation seiner Laufmaschine ernannte die Frankfurter Gesellschaft zur Beförderung der nützlichen Künste Drais – am selben Tag wie Goethe – zum Mitglied. Ein Jahr später rollten erste Nachbauten der Draisine durch Frankreich, England und Amerika. Ohne Drais gäbe es das populärste Fortbewegungsmittel unserer Zeit nicht – ohne ihn kein Radsportfieber, keine Deutschlandtour, keine Tour de France. 100 Millionen Fahrräder werden laut aktuellem statistischer Angaben zurzeit jährlich weltweit produziert, davon alleine über drei Millionen in Deutschland (laut Bundesministerium für Verkehr, 2007). Eine Erfolgsstory, sollte man meinen, doch Drais verstarb 1851 als verkanntes Genie und als bekennender Demokrat der gescheiterten 1848’er Revolution verarmt in Karlsruhe. "Der Karlsruher Erfinder und Tüftler war zeit seines Lebens verlacht und verleumdet. Und doch hat er grundlegend die Welt verändert", erinnert Dr. Susanne Asche, Leiterin des Kulturamtes der Stadt und zitiert Karl Gutzow’s Worte von 1837: "Die Laufmaschine ist auf Lächerlichkeit angelegt, denn nur Kinder können sich derselben, der komischen Gestikulationen wegen, die man dabei machen muss, bedienen. … Seit der Erfindung dieses ganz zwecklosen Kinderspielzeug hat Drais so zu sagen seinen Verstand verloren." Erst 1891 veranlasste der deutsche Radfahrerbund posthum eine Rehabilitierung des Karlsruher Erfinders. Aus Spendengeldern wurde ihm ein repräsentatives Grabmal auf dem Karlsruher Hauptfriedhof errichtet. Drais’ Laufmaschine gehört zu den wenigen Erfindungen des frühen 19. Jahrhunderts, die seit über 150 Jahren zum Wissensstandard des bekanntesten deutschen Lexikons gehören. Kein Wunder also, das Drais neben Carl Benz heute zu den berühmtesten Söhnen Karlsruhes zählt. Das Ur-Fahrrad aus Karlsruhe, die original Drais’sche Laufmaschine, kann heute im Karlsruher Stadtmuseum besichtigt werden. (Quelle: Hans Erhard Lessing: Automobilität. Karl Drais und die unglaublichen Anfänge, Leipzig 2003.) Zu den vielfältigen Aktivitäten rund um Drais und das Fahrrad gehört der traditionelle Drais-Tag, der am 19. Mai auf dem Karlsruher Marktplatz stattfindet und bei dem die neuesten technischen Entwicklungen von der Kinderdraisine bis zum Elektrofahrrad vorgestellt und Rad-Checks und Fahrradcodierungen angeboten werden. Eine innovative Weiterentwicklung erfährt die Drais’sche Laufmaschine inzwischen ebenfalls in Karlsruhe: An der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft entstehen unter der Leitung von Herrn Professor Jürgen Walter Hightech-Draisinen aus glasfaserverstärktem Kunststoff, die mit einem Gewicht von weniger als 12 Kilo eine Geschwindigkeit von über 40 Stundenkilometern erreichen können. Über ein Kooperationsprojekt mit Schulen aus der Region sollen bis zum 300. Geburtstag der Stadt Karlsruhe im Jahr 2015 insgesamt 300 Hightech-Draisinen produziert sein. Vom 18. – 20. Juni 2010 sind die ersten beim jährlichen Draisinen-Rennen in Karlsruhe zu sehen. Im Rahmen der Erstwohnsitz-Kampagne erhalten alle Studierende in Karlsruhe, die sich mit Erstwohnsitz anmelden, unter anderem ein Los für ein hochwertiges ferrari-rotes Fahrrad, das eigens für die Karlsruher Studierenden gestaltet und nicht im Handel erhältlich ist. Das Fahrrad erhielt den Namen „Draisler“ und soll bewusst an den Fahrrad-Erfinder Karl Drais erinnern. So bleibt Karl Drais in Karlsruhe stets lebendig. 2005 hat die Stadt ein 20-Punkte-Programm beschlossen mit dem Ziel, den Radverkehr von 16 auf 23% zu steigern. "Das Fahrrad ist das kostengünstigste und auch schnellste Verkehrsmittel in der Stadt bis zu 5 km", so Alfons Brisbois, Bereichsleiter Verkehr, Stadtplanungsamt Karlsruhe. "Das Fahrrad steigert die Wohn-, Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Stadt." 1,3 Millionen Euro werden u.a. in ein erweitertes Radwegenetz investiert. |


Karl Drais wäre am 29. April dieses Jahres 225 Jahre alt geworden. Er hat eine der bahnbrechendsten Erfindungen im Bereich persönlicher Mobilität hervorgebracht. Seine nach ihm benannte "Draisine" gilt als Prototyp des heutigen Fahrrades. "Die Stadt Karlsruhe fühlt sich diesem Erbe der umweltfreundlichen Mobilität verpflichtet und gilt heute als eine der fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands. So sind z.B. in Karlsruhe mehrere Forschungsinstitute zum Thema E-Mobilität vertreten", betont Norbert Käthler, Geschäftsführer der Stadtmarketing Karlsruhe GmbH. Drais Geburtstag ist Grund genug, dem "Sohn Karlsruhes“ mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen zu gedenken.